St. Depri - Wir sind immer für uns da e.V.

Warum machen wir das hier eigentlich alles?

Jolly Roger, es ist die Nacht vom 29. auf den 30. August 2014, viele gemischte Gedanken liegen in der Luft und einzelne Menschen werden von einem Wechselbad der Gefühle überrollt.

Ich fühle mich hilflos, ich bin ratlos, ich bin so unglaublich traurig und wütend zugleich, es schmerzt so sehr, dass alles um mich herum unreal wird. Was für ein Egoist…! Doch ich spüre und sehe, dass ich nicht alleine bin und das gibt mir Kraft und es fühlt sich verdammt schön an…

Was ist passiert: Michel, einer unserer Besten, hat sich am 28.08.2014 aufgrund von Depressionen im Alter von 28 Jahren das Leben genommen. Er war einer, der immer allen geholfen hat - fast allen; einer, der sich selber nicht helfen konnte und nicht wollte, dass ihm andere helfen. Eines hat er dabei aber übersehen: er war nicht allein mit seiner Krankheit, mit seinen Depressionen, mit seinem Wunsch, nicht mehr leben zu wollen.

Es ist doch nicht möglich: Woche für Woche stehen wir zusammen im Stadion, gehen zum Handball oder feiern zusammen, aber was weiß ich schon über dich, was wissen wir über uns? Es muss etwas passieren; was können wir machen, um auf die Krankheit Depression aufmerksam zu machen? Fragen über Fragen kreisen in meinem Kopf herum und eine Bitte breitet sich wie ein Fegefeuer aus und hat sich auf den Weg gemacht.

Plötzlich sitzen wir da, eine kleine Gruppe von 15 Personen (Betroffene, Angehörige, TherapeutInnen, Pflegepersonal und Interessierte, alle mit besonderen Qualifikationen). Es soll eine Initiative gegründet werden, die andere Menschen mit Depressionen und deren Angehörige aufklärt und ihnen hilft. Es werden Spendendosen im Fanladen und im Jolly Roger aufgestellt, um eine Plakataktion durchzuführen und auf einmal sprechen wir von einer Vereinsgründung, denn unsere Pläne sind umfangreicher, wir wollen mehr als das - mehr als eine Plakataktion.

Bei unserem ersten Treffen wird uns klar, wie groß die Resonanz auf unsere Initiative ist, dass wir eine super Truppe sind, die viel mehr auf die Beine stellen kann. Und so ist ziemlich schnell klar, dass eine Vereinsgründung absolut Sinn macht, wenn wir mehr erreichen möchten als eine einmalige Aktion. Im Nu ist ein Name gefunden „St. Depri – wir sind immer für uns da!“ und auch bei unserem Logo sind wir uns schnell einig.

Bereits nach kurzer Zeit haben wir einiges auf die Beine gestellt und viele Menschen mit ins Boot geholt, die unsere Ideen super finden und uns unterstützen möchten, sei es durch fachliche Kompetenz und Engagement oder finanziell.

Plakataktion, Website, Stammtisch und wer weiß, was noch kommt. Für uns ist klar: wir sind immer für uns da!

Wir nutzen diesen schrecklichen Anlass, um anderen zu helfen, die ebenfalls betroffen sind. Wir wollen Depressionen in der St. Pauli Fanszene nicht mehr verstecken; wir wollen sie sichtbar machen; wir wollen darüber sprechen und aufklären.

Wenn du

  • depressiv bist
  • nicht weißt, ob du es bist, aber spürst, dass „da was ist“
  • Depressive oder vermeintlich Depressive in deinem Umfeld hast
  • einfach nur neugierig oder interessiert bist

bist du herzlich willkommen bei uns.

Komm zu unserem Stammtisch ab dem 18. Dezember an jedem dritten Donnerstag des Monats ab 19:30 Uhr im Fanladen St. Pauli.